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 Betreff des Beitrags: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Mo 28. Sep 2009, 08:59 
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Links zu den Bremer Ergebnissen:
Landeswahlleiter Homepage
http://landeswahlleiter.bremen.de/sixcm ... 2.c.736.de
Ergebnisse Wahlkreis 55
http://www.wahlen-bremen.de/internet/ja ... index.html
Ergebnisse Wahlkreis 56
http://www.wahlen-bremen.de/internet/ja ... index.html
Wahlbeteiligung
http://www.statistik-bremen.de/tabellen ... cator=i29&</li><li>indicator2=i0

Bild
487924 Wahlberechtigte 70,12% Wahlbeteiligung 336466 Gültige Stimmen

Die LINKE hat stimmenmäßig sehr gut abgeschnitten - z.B. bei uns im Westen fast flächendeckend besser als die CDU. Wichtig erscheint mir auch die Aussage aus aus einer der zahlreichen Fernsehsendungen gestern (mit Grafik), dass bundesweit die LINKE unter den Arbeitslosen die höchste Stimmenzahl bekommen hat - was ja ein erster Hinweis wäre, dass über die reine Protestwählerschaft hinaus auch etwas Programmatisches zur Wahlentscheidung beigetragen hat.

Wünschen würde ich mir Analysen, die über "Wir sind die Schönsten" oder "Unser Programm ist das Beste" hinausgehen und etwas bescheidener als letztes Mal darstellen, wer tatsächlich und warum die LINKE gewählt hat - es könnten sich ja sinnvolle Konsequenzen für die weitere Politik ergeben.

Den gestern oft bei allen Parteien gehörten Spruch vom "Stimmen einfahren" vermag ich jedenfalls nicht mit meinen Vorstellungen von linker Politik mit Mobilisierung und Emanzipierung der Wählenden in Einklang bringen. Der Wählenden, die eben nicht nur Wählende, sondern auch Gestaltende sein sollten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Mo 28. Sep 2009, 09:54 
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Ah, inzwischen bietet das Statistische Landesamt bereits interaktive Karten und Regressionsanalysen mit den entsprechenden Korrelationskoeffizienten. Da lacht das Herz des Soziologen…

Was ohne all dies aber bereits auf den ersten Blick ins Auge fällt:

1. Noch immer ist die Wahlbeteiligung in den sozial benachteiligten Bremer Stadtteilen bedenklich gering, vielerorts ist sie dort sogar eklatant zurückgegangen. Das ist kein gutes Zeichen und es zeigt, dass DIE LINKE noch viel mehr als bisher in den Quartieren präsent sein muss.
2. Andererseits (Helmut hat schon darauf hingewiesen): DIE LINKE ist DIE Partei der Erwerbslosen. Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis der Wahl. Für die zukünftige parlamentarische und nichtparlamentarische Arbeit ergeben sich hieraus ganz konkrete Aufgaben und Zielvorgaben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Mo 28. Sep 2009, 11:47 
Das ist echt ein guter Service vom Landeswahlleiter. Da lohnen doch einige Betrachtungen.

1. Einige davon sind selbsterklärend:


Zusammenhangsmaß* mittleres Jahreseinkommen 2001 und FDP-Anteil im Stadtteil: + 0,76
Zusammenhangsmaß mittleres Jahreseinkommen 2001 und LINKE-Anteil im Stadtteil: - 0,75
entsprechend mittl. Wohnungsgröße - FDP: + 0,68
-===- - LINKE: -0,75
Anteil ALG2 im Stadtteil - FDP: -0,58
-===- - LINKE: +0,60


2. Einige sind da schon interessanter:

Anteil über 65Jahren im Stadtteil: -Linke 2005: -0,41
-===- -LINKE 2009: -0,32

Die Akzeptanz in "älteren Stadtteilen" ist also gestiegen, wenn auch immernoch auf schlechtem Niveau.

Beim Migrationsanteil ist die LINKE neben der SPD die einzige Partei, die einen positiven Wert aufweist (SPD: 0,41, LINKE: 0,39), alle anderen haben eine negativen Zusammenhang, meint: Mehr MigrantInnen = weniger Stimmen für alle anderen Partein. Im Vergleich zu 2005 hat auch dieser Zusammenhang zulegen können: Der ziemlich schwache (aber positive!!) Zusammenhang von 0,25 ist in den vier Jahren auf 0,39 angestiegen.

Bei vielen Einpersonenhaushalten im Stadtteil steht B90 mit Abstand vorne (0,70), wir als daneben als einzige mit einem positiven Zusammenhang. Entsprechend haben wir ein Problem mit Mehrpersonenhaushalten, wobei besonders erschreckend folgendes ist:

Haushalte mit Kindern im Stadtteil - LINKE: - 0,22. Desto mehr Familien, desto weniger Stimmen für uns. 2005 wars aber noch schlimmer. Klarer Gewinner hier: Die CDU. Sehr problematisch und eigentlich auch kaum nachvollziehbar, kommt "unsere" Bildungspolitik augenscheinlich doch ganz gut an (siehe Anmeldungen bei Gemeinschaftsschulen). Die GRÜNEN sind da aber noch deutlich schlechter dran (-0,62).

Spekulationsbedürftig ist es auch, warum der Anteil von GymnasialschülerInnen (2008) eine krass negative Auswirkung (-0,74) auf unsere Stimmen hat. 2005 warens im Vergleich - 0,53. Sieht da jemand seine Felle schwimmen?

Von kinderreichen Staddteilen profitiert die SPD, gefolgt von der CDU. Nahezu ohne Zusammenhang: FDP und LINKE. Krass negativ: B90 (siehe Singlewohnungen).

Je höher die Wahlbeteiligung, desto schlechter SPD und LINKE. Der Rest gewinnt. Allerdings muss hier Manfreds Anmerkung mitgedacht werden! Es gibt einen sehr ausgeprägten Zusammenhang zwischen Einkommen und Wahlbeteiligung (0,75). Das muss unbedingt angegangen werden!!!


*Der Wert kann nur zwischen - 1 und + 1 liegen, bei 0 besteht keinerlei Zusammenhang. 1 wäre ein perfekt-positiver linearer Zusammenhang zwischen den Variablen, etwa Zahl der Personen im Haushalt und Anzahl der im Gebrauch befindlichen Zahnbürsten am Waschbecken. Quadriert man diese Maßzahl, dann erhält man einen Indikator, wieviel Varianz im Stimmenanteil der LINKEN durch die jeweilige Variable erklärt wird. Damit lässt sich einfacher interpretieren. Beispiel: Einkommen-Stimmenanteil hängt mit - 0,75 zusammen. Dann erklärt das Einkommen 0,75² der variierenden Stimmanteile. Gute 50% unserer Stimmen hängen direkt mit dem Einkommen zusammen. Die restlichen 50% hängen von anderen Faktoren ab.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Mo 28. Sep 2009, 21:00 
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Das sind sehr gute Ergebnisse für DIE LINKE, und da möchte ich auch hier im oFFo unserer Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Bremen-Nord-West, Agnes Alpers hier ganz herzlich gratulieren und ihr viel Erfolg und das dazu notwendige Glück wünschen.
Findorff im Bundestag, wer hätte das gedacht? BRAVO!


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Di 29. Sep 2009, 02:01 
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Rainer Nathow hat geschrieben:
Das sind sehr gute Ergebnisse für DIE LINKE, und da möchte ich auch hier im oFFo unserer Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Bremen-Nord-West, Agnes Alpers hier ganz herzlich gratulieren und ihr viel Erfolg und das dazu notwendige Glück wünschen.
Findorff im Bundestag, wer hätte das gedacht? BRAVO!


In diesem Fall werde ich widersprechen müssen. Die LINKE hat ihre Ziele nicht erreicht. Bankenkrise, Wirtschaftskrise, Niedriglöhne, Krieg in Afghanistan, EU-Verfassung- sie konnte kein Kapital [sinnbildlich] daraus schlagen. Das ist zu wenig für eine Partei, die vorgibt-sich dagegen einzusetzen [bezogen auf den gesamtdeutschen Wahlkampf]. Für Bremen bedeutet diese Verdoppelung ein Achtungserfolg-aber die Zahl der Nichtwähler steigt aus guten Gründen. Die LINKSPARTEI kann froh sein, jetzt noch nicht die Verantwortung für ein Volk angetragen zu bekommen, wenn sie nicht enden möchte wie die SPD. Sie befindet sich in der komfortablen Situation, Oppositionspartei zu sein, als eine Partei ohne Verantwortung für ihr Tun und Handeln. Weder Gysi noch Lafontaine zogen gestern glückliche Gesichter, sie wirkten angespannt und enttäuscht. Vielleicht sogar enttäuscht über das schlechte Abschneiden der SPD und das gute Abschneiden der FDP. Vielleicht enttäuscht darüber, ein wenig mehr Verantwortung übergebrummt zu bekommen -mit mehr Konsequenzen? Die Nichtwählerschaften und die Piratenpartei werden die Linkspartei dazu anhalten, sich ein wenig mehr inhaltlich aus dem Fenster zu hängen, mit dem Risiko wie in Berlin einen programmatischen Genickbruch wegen eines Fenstersturzes zu riskieren. Das würde im negativen Fall die Linke ohne personelle Konsequenzen inhaltlich beschädigen.

Immerhin wird wohl der Fusionsgedanke mit der SPD-Linken auf Eis gelegt werden müssen, obwohl es sich anbieten würde.

Kleines Fazit: Die Bundestagswahl war eine Katastrophe, für alle Parteien. Ausnahmen: FDP und Piraten. Aber die Bundestagswahl bietet auch Chancen für andere Parteien, wenn Schwarz-Gelb gezwungen wird- endlich die Hosen/Hüllen fallen zu lassen.
Weimar lässt grüssen!

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Zuletzt geändert von Lutz Dorawa am Di 29. Sep 2009, 22:45, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Di 29. Sep 2009, 11:43 
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Wenn Wahlen alle zufrieden machen würden, müßten sie nicht veranstaltet werden. Merkel hätte auch lieber mit Steinmeier weiter getanzt, sie wirkte direkt verstört über den Erfolg der FDP. Aber unser Wahlergebnis ist insgesamt wirklich gut. Daß wir aus unserem Bremer Kreis Nord-West eine Genossin in den Bundestag entsenden, ist auch ein sehr beachtlicher Erfolg. Natürlich geht jetzt die Debatte los, warum und wieso ausgerechnet Agnes Alpers usw. Das ist zweitrangig. Ich jedenfalls freue mich über den Erfolg.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Di 29. Sep 2009, 12:38 
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Vielleicht gibt es zunächst eine rot-rote (bzw. rot-rot-grüne) Kombination in Brandenburg, im Saarland und in Thüringen. Mit –vielleicht – Ausnahme des Saarlandes wird das zu einer weiteren Bewegung der Linkspartei zur sogenannten Mitte hin führen. Die stärksten Zuwächse hatten mit Brandenburg und Sachsen-Anhalt ihre – nun ja: – »pragmatischen« Landesverbände. Der euphorisierte Gregor Gysi schien im Fernsehen völlig vergessen zu haben, was wirklich passiert ist: Bestätigung der Rente mit 67, Fortsetzung des Privatisierungskurses bei den Krankenversicherungen, nichts da mit Mindestlohn. Die einzige Hauptsache: 11,9 Prozent. Kindergeburtstag.

Der Erfolg bei der Bundestagswahl und der Einzug in den Landtag von Schleswig-Holstein wird der Partei »Die Linke« weiteren Zulauf bringen. Das wird wahrscheinlich dazu führen, daß ihre innere Transformation und Säuberung sich fortsetzen wird. Die Kommunisten hat sie sich 2007/2008 vom Hals geschafft. Jetzt kommen die dran, die von der Spitze schon seit längerer Zeit als die »Irren« identifiziert wurden.

Old Deal
Situation nach Bundestagswahl

Von Georg Fülberth
http://www.jungewelt.de/2009/09-29/016.php

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Manfred
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Der Drang des Menschen nach selbstverwirklichender Freiheit ist unzerstörbar. (Leo Kofler)
Erst als verinnerlichte Könige sind Könige vor der Guillotine sicher. (Peter Brückner)


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Di 29. Sep 2009, 17:58 
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Also ich bin dann wohl einer von den "Irren" ;)
Kommunist bin ich allerdings auch.....

Aber mich haben sie sich noch nicht vom Hals geschafft ;)

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www.sozialismus.info


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Di 29. Sep 2009, 19:41 
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Nein, Manfred, die Kommunisten sind ja gerade zunächst von der WASG bekämpft und ausgegrenzt worden. Unglaubliche Szenen haben sich da im Konsul Hackfeld Haus abgespielt. Das waren schlimmste Pöbeleien, vor allem gegen die PDS-Mitglieder und DKP-Mitglieder. Widerlich war das, unwürdig.
Auch ich war verunsichert und bin der "Antikapitalistischen Linken" auf den Leim gegangen, einer Sektenvereinigung derjenigen, die in ihren Splittergruppen nichts hinkriegen und deshalb bei der LINKEN als Trittbrettfahrer dabei sind.
Nein, ich bin Kommunist, und mich hat niemand ausgeschlossen oder ausgegrenzt, und ich bleibe in dieser Partei solange wie ich es will. Auch Du, Manfred, kannst doch nicht im Ernst angenommenn oder gehofft haben, nach der Wahl würde die Rente mit 67 abgeschafft, die Gesetze des SPD-Gewerkschafters Hartz abgeschafft und der Garten Eden ausgerufen werden.
Mein Facit dieser Wahl ist optimistisch. Die früher großen Parteien haben ihre Lektion erhalten, von beiden Seiten, von der FDP und von der LINKEN. Der Kampf wird sehr viel klarer und direkter ablaufen als zu Zeiten, wo sich mehr als die Hälfte der WASG-Linken als 70-er Sozis definiert haben. Damit ist nun Schluß.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Di 29. Sep 2009, 22:51 
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Rainer Nathow hat geschrieben:
Wenn Wahlen alle zufrieden machen würden, müßten sie nicht veranstaltet werden. Merkel hätte auch lieber mit Steinmeier weiter getanzt, sie wirkte direkt verstört über den Erfolg der FDP. Aber unser Wahlergebnis ist insgesamt wirklich gut. Daß wir aus unserem Bremer Kreis Nord-West eine Genossin in den Bundestag entsenden, ist auch ein sehr beachtlicher Erfolg. Natürlich geht jetzt die Debatte los, warum und wieso ausgerechnet Agnes Alpers usw. Das ist zweitrangig. Ich jedenfalls freue mich über den Erfolg.


Deiner gesamtdeutschen Abschätzung des Wahlergebnisses kann ich nicht zustimmen. Macht aber nix. Glückwunsch für das gute Wahlergebnis der Bremer Linken!

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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Di 29. Sep 2009, 23:12 
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Ich verstehe allerdings in der Tat nicht, wie man sich über das Geschiebe zwischen den Parlamentsparteien freuen kann, wenn doch in der tiefsten Krise, deren Folgen wir jetzt auszubaden haben, die Rechte in Gestalt der gelben Partei des Kapitalkasinos gewinnt und damit die Macht erhält, uns für ihr Gaunerstück auch noch die Zeche abzuknöpfen. Materiell ist die Lage desolat. Da helfen auch keine 70 MdBs der Linken im Bundestag; allenfalls wenn die Mehrheit im Bundesrat kippt, wäre da noch etwas zu verhindern.

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Manfred
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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Mi 30. Sep 2009, 18:42 
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Da stimme ich Dir in der Lagebeschreibung absolut zu, Manfred. Nur ändert die Lage nichts daran, daß wir ein großartiges Wahlergebnis erzielt haben. Ohne DIE LINKE geht es auch auf Bundesebene nicht mehr. Jetzt müssen wir in der Opposition die Bereitschaft für eine Politik der Tat, die ich schon lange fordere, erreichen. Der Widerstand muß auf die Straßen und in die Betriebe gebracht werden. Im Parlament allein wird es nicht entschieden. Im Parlament wird, wie der Name schon ausdrückt, nur geredet. Gerade in der Zuspitzung der Krise sind Taten unerlässlich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Do 1. Okt 2009, 17:01 
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Rainer Nathow hat geschrieben:
Jetzt müssen wir in der Opposition die Bereitschaft für eine Politik der Tat, die ich schon lange fordere, erreichen. Der Widerstand muß auf die Straßen und in die Betriebe gebracht werden. Im Parlament allein wird es nicht entschieden. Im Parlament wird, wie der Name schon ausdrückt, nur geredet. Gerade in der Zuspitzung der Krise sind Taten unerlässlich.




Jawoll! Denn mal los! Dem stimme ich voll und ganz zu!

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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Fr 2. Okt 2009, 02:30 
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Zitat:
Da stimme ich Dir in der Lagebeschreibung absolut zu, Manfred. Nur ändert die Lage nichts daran, daß wir ein großartiges Wahlergebnis erzielt haben. Ohne DIE LINKE geht es auch auf Bundesebene nicht mehr.


Hoffentlich vergaloppierst du dich nicht Rainer. Ich sehe die Linke noch nicht in der Position, überhaupt einer Partei Bedingungen zu stellen. Weder als Mehrheitsbeschaffer noch als Mehrheitsverhinderer. Außer die Sterne stehen gut!

Die Linke traut sich ja noch nicht mal zu regieren, dafür muß es Gründe geben. Warten sie auf die SPD-bis sie sich quasi neu erfindet, als NEU-Linke/SPD?

Würde die Linke Verantwortung übernehmen müssen, sie kann sich nicht ständig aus allem raushalten-wäre ihr Nimbus als linke soziale Partei verspielt[siehe Thüringen-nach der Berliner Pleite]. Das sind die Fakten-das wird auf sie zukommen. Gysi und Lafontaine sind sich dieser Gefahr bewußt, drum wollen sie keine einsamen Entscheidungen treffen, die die Partei als Ganzes in einer Regierungsspitze diskreditieren könnte/würde.

Sie besitzt zwei Möglichkeiten. Sie reformiert sich und schließt jegliche Annäherungen an die SPD aus [das wäre ehrlicher in den politischen Bestrebungen] oder sie steuert an die SPD [das wäre unehrlich-aber chancenreicher für die nächsten Wahlen-falls die SPD sich modernisiert][[Sicht der Lage und Dinge]]ran, auch mit der Möglichkeit einer späteren Fusion mit der letztgenannten-für den Fall, das sich die SPD programmatisch runderneuern sollte und die ausgegebene Agenda-Devise auf die Müllkippe wirft. Einige aus der Linkspartei wollen eine Hochzeit ohne eine Erneuerung der SPD-sie halten es quasi nicht mehr aus-für die SPD ein gefundenes Fressen-den linken Parteiflügel mit großen Zuwächsen auf die Linkspartei zu werfen. So ein Megaprojekt würde unter einem großen Medienaufwand einmalig 40% der Wähler dazu bringen, überhaupt Mega-Links unter dieser politischen Konstellation zu wählen.
Für Alt-Kommunisten und Kommunisten im allgemeinen wäre dann tatsächlich kein Platz mehr vorhanden-ich komme aber nicht mehr drumherum-das sie unter gewissen Umständen doch wichtig für eine Partei sein könnten. Sie bilden einen Teil der kritischen Masse, auch wenn das angestrebte Ziel unreal ist und den Wähler eher verwirrt und ängstigt. Die Wähler sind mit dem Westen groß geworden und nicht mit dem Osten, ohne Arbeiterfäuste und ohne Stasi, obwohl der BND auch Stasifunktionen in unser System mit Erfolg implantiert-ist halt nur die Weststasi. Da ticken in den Köpfen der Leute wohl die Uhren anders-Begriffsverwirrung.


Koalitionsgespräche in Thüringen
SPD-Linke wettert gegen Schwarz-Rot


Der Landesvorstand der SPD in Thüringen hat entschieden, doch die Parteilinke wehrt sich gegen eine schwarz-rote Koalition im Land. "Es ist eine Entscheidung der Ängstlichkeit", sagte Ex-Innenminister Dewes. Linkspartei-Fraktionschef Gysi fand deutlichere Worte.

Erfurt - Die Entscheidung des thüringischen SPD-Landesvorstands, Koalitionsverhandlungen mit der CDU aufzunehmen, sorgt unter der Parteilinken für Aufruhr. "Wir werben dafür, dass diese Koalition mit der CDU nicht zustande kommt", sagte der innerparteiliche Rivale des Landeschefs Christoph Matschie, Ex-Innenminister Richard Dewes, am Freitag im MDR. Die politische Entscheidung sei falsch. "Es ist eine Entscheidung der Ängstlichkeit."

"Der Matschie tickt ja nicht mehr richtig"

Linke-Fraktionschef Gregor Gysi kritisierte die Entscheidung der Thüringer SPD als Wählertäuschung. Matschie trete für eine schwarz-rote Regierung ein, obwohl er damit nur 20 Prozent des sozialdemokratischen Wahlprogramms umsetzen könne, sagte Gysi am Freitag beim ersten Treffen der neuen Bundestagsfraktion in Berlin. Mit der Linken hätte die SPD 80 Prozent ihrer Ziele verwirklichen können, meinte Gysi. Matschie werde die SPD in Thüringen damit bei der nächsten Wahl nur noch zu einer Zehn-Prozent-Partei machen.

Matschie habe die Chance auf einen Politikwechsel verspielt, sagte Gysi. Dabei sei die Linke der SPD in Thüringen mit ihrem erklärten Verzicht auf das Amt des Ministerpräsidenten trotz ihres besseren Wahlergebnisses sehr weit entgegengekommen - "für mich einen Tick zu weit". Gysi war gegen das Verzichtsangebot des Linken-Spitzenkandidaten Bodo Ramelow, weil er darin eine unnötige Schwächung der Linken sah. Matschies Forderung sei anmaßend, die bei der Wahl klar der Linken unterlegene SPD müsse allein entscheiden, wer in einer rot-rot-grünen Landesregierung Ministerpräsident werde. "Der Matschie tickt ja nicht mehr richtig", sagte Gysi. An einer solchen Wählertäuschung hätte sich die Linke nicht beteiligt. "Die Linke geht jetzt in Thüringen in die Opposition und wird bei der nächsten Wahl nicht geschwächt daraus hervorgehen."

ffr/AP/dpa

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 32,00.html

Wer tickt hier wirklich falsch oder wer tickt hier tatsächlich richtig? Gysi entpuppt sich als Taktiker, er müßte eigentlich 3x Mal das "Ave Maria" oder ein paar Stoßgebete des Dankes zum Himmel schicken-der kleine Verhandlungsmarathon ohne Ergebnis für die Linke ist das gezielte Ergebnis des eigentlichen Taktierens von Ramelow und der Parteispitze in Berlin gewesen!!

Wenn nur 20% SPD mit der CDU umgesetzt werden können, wie kommt dann Gysi darauf, das mit der Union-Light/SPD 80% gemeinsam mit der Linkspartei überhaupt umgesetzt werden könnten? Da könnte die Linkspartei auch mit der CDU in Thüringen regieren, sie käme auf maximal 25%-30% der Forderungen. Das ist zu wenig für die Linkspartei und für den Wähler auch, ohne die Quittung im Gegenzug für die Wahlversprechen [Wahlversprechen = ich verspreche mich und meine eigentlich das Gegenteil von dem, was ich gesagt habe] bei der nächsten Landtagswahl in Thüringen zu erhalten. Gysis Winkelzüge sind durchschaut worden, der Wähler verlangt etwas anderes und kleine Mann aus Berlin und die Linksspitze fürchten sich davor, ins "rotieren" zu kommen-wenn der Schleudergang sich um ein paar Stufen erhöhen würde! Das Linksprojekt wäre zerrissen, die Linkspartei hat es bekanntlich in Berlin buchstäblich "verkackt" und in Thüringen wäre Ramelow/Linkspartei bis auf die Knochen blamiert!

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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Sa 3. Okt 2009, 20:16 
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Ramelow für Wende bei der Linken

Im Streit um den Afghanistan-Einsatz kommen Teile der Linken der SPD entgegen. Ein sofortiger Truppenabzug wäre "eine Flucht wie damals aus Vietnam", sagt der Bundestagsfraktions-Vize Ramelow. Parteichef Lafontaine widerspricht umgehend.

Berlin - In ihrer Afghanistan-Politik vollzieht die Linke offenbar eine Wende. Der Spitzenkandidat der thüringischen Linken, Bodo Ramelow, sagte in der "Welt am Sonntag" vorab: "Uns geht es nicht um einen sofortigen Abzug. Das wäre wie eine Flucht damals aus Vietnam."

Damit rückt der Politiker von einer Kernforderung der Linken ab. Im Wahlkampf forderte die Partei auf Plakaten "Raus aus Afghanistan", und im Programm steht, Deutschland müsse "die Bundeswehr sofort aus Afghanistan abziehen". Der Linkspartei-Vorsitzende Oskar Lafontaine wies das Ansinnen des Fraktionsvizes denn auch umgehend zurück: "Die Position der Partei ist klar: Wir sind für einen sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan", betonte Lafontaine am Samstag in Berlin.
..............................

"Wir sind offen"


Diese Aussagen und auch Ramelows Bemerkung in der "Welt am Sonntag" könnten ein Signal an die SPD sein. "Die SPD muss sich klarwerden über einen ehrlichen Zeitplan", verlangte Ramelow von den Sozialdemokraten und fügte hinzu: "Untersetzt man den Zeitplan mit mehr Militär, ist das mit uns nicht machbar. Untersetzt man es mit mehr nachweislichem zivilem Engagement und dem stufenweisen Abzug, dann sind wir offen."
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Nach den dramatischen Verlusten bei der Bundestagswahl hatten auch mehrere SPD-Politiker eine stärkere Annäherung an die Linkspartei gefordert. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit rechnet nach eigenen Worten fest damit, dass die SPD das Koalitionsverbot mit der Linken im Bund nach der Wahlniederlage bald kippen wird.

Ob es allerdings bei der nächsten Bundestagswahl tatsächlich Koalitionsmöglichkeiten mit der Linkspartei geben werde, werde sich zeigen, sagte Wowereit. Derzeit fehlten die inhaltlichen Übereinstimmungen in zentralen Feldern. Solange die Linke in der Außen- und Sozialpolitik dogmatisch bleibe, könne es im Bund keine Bündnisse geben.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 56,00.html

Malen nach Zahlen, jeder kann seine Rückschlüsse für die zukünftige neue Linkspartei aus diesen Artikel ziehen. Wenn nicht, dann tut er/sie mir einfach nur leid-ohne ein Mitgefühl. Warum scheut Ihr klare Ansagen wie die Motten das Feuer/Licht?

Was wollt ihr tun? Etwa Nichts?



SPD streitet um ihr Verhältnis zur Linken


Nach dem Wahldebakel blühen die innerparteilichen Debatten in der SPD. Fraktionschef Steinmeier und einige Landesvorsitzende warnen vor einem Linksruck, Berlins Bürgermeister Wowereit wirbt weiter für ein Zusammengehen mit der Linkspartei im Bund.
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Wowereit sprach sich auch für die Abschaffung der Rente mit 67 sowie Korrekturen an den Arbeitsmarktreformen aus. Es gebe in der neuen Parteiführung einen "breiten Konsens", dass die SPD "elementare Kritik der Menschen an den Reformen aufnehmen und neu beantworten" müsse. Zugleich mahnte er Verbesserungen bei den Hartz-Reformen an.

"Die SPD muss Volkspartei bleiben"


Auch in der SPD meldeten sich umgehend die restaurativen Kräfte zu Wort. Der gescheiterte Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier warnte seine Partei am Samstag vor einem Linksruck. Wenn die SPD künftig nur noch die Interessen eines Teils der Gesellschaft vertrete, sinke sie zur Klientelpartei ab. Dies sei der falsche Weg. "Die SPD muss Volkspartei bleiben", schrieb Steinmeier in einem Beitrag für die "Welt am Sonntag".
...................................

NRW-Parteichefin Kraft warnte im "Focus" davor, überstürzt die Reform-Agenda 2010 und die Rente ab 67 "über Bord zu werfen". Sie nannte es unsinnig, sich jetzt im Handstreich von elf Jahren Regierungsverantwortung zu distanzieren Die SPD solle sich auf praktische Korrekturen konzentrieren, etwa auf flexible Übergänge in die Rente und eine Anhebung des Schonvermögens für Hartz-IV-Empfänger, sagte Kraft.
....................................

Der bayerische Landeschef Florian Pronold forderte, dass sich die Linke auf die SPD zubewege. Sollte Rot-Rot-Grün "irgendwann Realität werden", müsse sich nicht die SPD verändern, sondern die Linke, sagte Pronold der "Passauer Neuen Presse".

Die Linke: "Konkurrentin, nicht Partnerin"

Unmissverständlich äußerte sich der frühere Bundesinnenminister Otto Schily im SPIEGEL zu der Diskussion um eine mögliche Koalition mit der Linken. Die Sozialdemokraten müssten die Linke als "Konkurrentin sehen, nicht als Partnerin" und dürften nicht auf künftige rot-rote Koalitionen hoffen.

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 72,00.html

Wer ist Otto Schily...kennt den noch jemand? Ist das nicht der Rentner aus Spanien?

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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Sa 3. Okt 2009, 23:26 
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Folgenden Artikel schlage ich der Websiteredaktion der Bremer LINKEN zur Veröffentlichung vor:

Die Bremer LINKE nach den Bundestagswahlen

Die LINKE hat bei den Bundestagswahlen gerade auch in Bremen noch einmal deutlich zugelegt und ist mit Agnes Alpers und Axel Troost nun direkt im Bundestag vertreten. Welche Schlussfolgerung sind aus diesem Wahlerfolg zu ziehen?

von Heino Berg

Den Stimmengewinnen der Bremer LINKEN (+5,8%) stehen erdrutschartige Verluste der SPD (-12,6%) gegenüber, die mit den Grünen den Senat gebildet und die Politik der Bundesregierung in Bremen nahtlos umgesetzt hat. Die Quittung dafür ist hochverdient: Die SPD hat die Verarmung immer größerer Teile der Bevölkerung verstärkt und den massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen in den Häfen, Werften und im öffentlichen Dienst, wo allein an den kommunalen Krankenhäusern mehr als 1000 Stellen gestrichen wurden, beschleunigt. Rotgrün hat im Bremer Senat die Milliardengeschenke an die Banker unterstützt und will gleichzeitig mit der sog. „Schuldenbremse“ dafür sorgen, dass diese Wohltaten für die Reichen durch Sozialkürzungen bei den Armen finanziert werden.

Die LINKE hat als Oppositionspartei von der Wut über die Regierungspolitik der SPD profitiert, ohne jedoch als glaubwürdige Systemalternative gegen die für die Krise verantwortlichen Banken und Konzerne aufzutreten. Die Forderungen der LINKEN nach Umverteilung, Bankenregulierung, Mitbestimmung und Mitarbeiterbeteiligungen wichen mitten in der historischen Krise des Kapitalismus der Systemfrage aus, anstatt mit sozialistischen Perspektiven eine Antwort darauf zu geben – und konnten durch die Wahlwerbung von SPD und Grünen fast deckungsgleich kopiert werden. Weil sich die LINKE nur als „Korrektiv“ (G.Gysi) für die Herrschenden und ihre Parteien dargestellt hat, anstatt offensiv für eine neue Gesellschaftsordnung zu kämpfen, konnten ausgerechnet die Nicht-Wähler, die sich im bestehenden Politik- und Wirtschaftssystem nicht mehr vertreten fühlen und damit ein Potenzial für systemkritische Politik bilden, auch von der LINKEN kaum an die Wahlurnen, geschweige denn für aktive Mitarbeit in der Partei und den Widerstand gegen die Krise mobilisiert werden.

Die LINKE hat also Proteststimmen eingesammelt gegen die Agenda-Politik, die sie im Unterschied zu allen anderen Parlamentsparteien abgelehnt hat und deshalb auch den einzigen massenwirksamen Bezugspunkt für den Widerstand dagegen darstellt. Aber ihre relative Stärke ist bisher eher ein Ausdruck der Schwäche der SPD als eine Vertrauensbeweis für die Entschlossenheit der Linkspartei, durch die Aktivierung der Betroffenen dauerhafte, grundsätzliche Änderungen in Gesellschaft durchzusetzen. Und die Verantwortlichen für die Krise durch Enteignungen zur Rechenschaft zu ziehen. Die durch Umfragen bestätigten Zweifel an der Glaubwürdigkeit auch der sozialen und demokratischen Wahlversprechen der Linkspartei hängen nicht zuletzt mit der Vergangenheit ihres PDS-Bestandteils zusammen, noch mehr aber mit der aktuellen Erfahrung, dass sie die im Wahlkampf angeprangerten Sozialkürzungen dort, wo sie – wie in Berlin – mit der SPD Regierungsverantwortung trägt, selbst praktiziert und dann auch noch als Erfolge linker Regierungspolitik präsentiert hat.

Das Eis der linken Wahlerfolge ist also dünn und als Parkett für Freudentänze oder Selbstbeweihräucherung der Parteiführung denkbar ungeeignet.

Gerade weil die Wahlerfolge der LINKEN vor allem ein Misstrauensvotum gegen die SPD waren, käme es einem politischen Selbstmord der Linkspartei gleich, wenn sie diese Proteststimmen nun für eine Annäherung an die SPD oder gar für Regierungskoalitionen mit ihr missbrauchen würde.

Der SPD-Bürgermeister Böhrnsen hat unmittelbar nach seiner katastrophalen Niederlage der Bremer Linksfraktion genau diese Regierungsbeteiligung in Aussicht gestellt und den ausgelegten Köder mit Warnungen an die „Extremisten“ in der neuen Partei verbunden:
Das Wahlergebnis gibt Gelegenheit, über unsere Haltung zur Linken zu reden. Wir haben inzwischen ein etabliertes Fünf-Parteien-System. Da werden Koalitionen geschlossen, wenn es inhaltlich ausreichende Schnittmengen gibt. Ausgeschlossen sind da nur Extremisten. Vor diesem Hintergrund müssen wir unser Verhältnis zur Linken sehen. Im Bund war ein Bündnis mit ihnen inhaltlich nicht möglich, allein wegen ihrer Position zur Außen-, Sicherheits- und EU-Politik. In Bremen wäre das etwas anderes.“ (Interview im Bremer Weserkurier 1.10.)

Der Bremer taz kommentiert die Reaktion auf diese „unmoralischen“ Angebote folgendermaßen: „Gleichwohl gibt es bei der Linken Stimmen, die dafür werben, auf die SPD zuzugehen. Die Debatte über die strategische Ausrichtung der Linkspartei, losgetreten vom Abgeordneten Klaus-Rainer Rupp, konnte zuletzt nur mit Mühe unter der Decke gehalten werden. Immerhin hatten die Linksabgeordneten schon mal - versehentlich - dem Haushaltsentwurf von Rot-Grün zugestimmt.“ (taz, 1.10.09)

Der Landessprecher der Bremer LINKEN, C. Spehr hat in seiner Wahlanalyse vor allem darauf hingewiesen, dass SPD und Grüne alleine in der Bremer Wählerschaft keine Mehrheit mehr haben würden. Auch wenn er nicht offen versprechen konnte, dass die Linksfraktion nach den kommenden Bürgerschaftswahlen für diese Mehrheiten sorgen wird: Die Zustimmung zum Haushalt erscheint nach den früheren Hilfsangeboten der Linksfraktion an die Adresse des Senats – etwa durch den Initiativantrag für bedingungslose Staatsbürgschaften an die Arcandor-Eigentümer oder durch ihren Verzicht auf einen Missbilligungsantrag zum Bremer Bankenrettungspaket – in der Tat eher als Teil einer Hinterzimmerstrategie denn als bloßes „Versehen“ und – was diese einer politischen Debatte offenbar vorziehen - als Ausdruck geistiger Umnachtung bei den Abgeordneten. Das gilt vor allem, weil dieses angebliche „Versehen“ wenige Tage vorher, nämlich bei der Zustimmung zum Nachtragshaushalt, genauso praktiziert, aber im Gegensatz zum Entwurf für den kommenden Haushalt, mitnichten „bedauert“ oder zurückgenommen wurde.

Ähnliche Avancen an den rotgrünen Senat formulierte, um ein weiteres Beispiel zu nennen, die Abgeordnete und FDS-Sprecherin Inga Nitz in der Bürgerschafts-Debatte über die Skandale bei öffentlich geförderten Beschäftigungsträgern: Anstatt deren Wurzeln, also die Hartz-Gesetze und die 1-Euro-Jobs, als staatliches Lohndumping anzuprangern und für ihre Abschaffung einzutreten, kritisiert sie in ihrer Rede umgekehrt den sog. „Generalverdacht“ gegen diese skandalösen Beschäftigungsverhältnisse und fordert deren verstärkte Förderung. Damit konterkariert sie den Kampf gegen die Hartz-Gesetze und signalisiert bei deren landespolitischer Umsetzung schon jetzt eine Regierungsfähigkeit, die ihre Parteifreunde vom „Forum Demokratischer Sozialismus“ seit Jahren in Berlin unter Beweis gestellt haben.

Für die Glaubwürdigkeit linker Landespolitik, die immerhin als Opposition gegen den rotgrünen Senat und als Stimme der benachteiligten Schichten der Bremer Bevölkerung angetreten ist, sind solche Äußerungen nur deshalb noch nicht „wählerwirksam“ geworden, weil sie – abgesehen von der Haushaltszustimmung - in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen und von der Wut über die Senatspolitik überlagert wurden. Selbst innerhalb der Partei werden solche Entscheidungen der Fraktion nicht zur Diskussion gestellt, sondern, wie die taz schreibt, „mit Mühe unter dem Deckel gehalten“.

Nach den Bundestagswahlen wird aber der auf dem Berliner Parteitag vertagte und im Bremer Landesverband krampfhaft unter den Teppich gekehrte Richtungsstreit in der LINKEN nicht nur bei der Programmdebatte offen ausbrechen: Der Spitzenkandidat der thüringischen Linken, Bodo Ramelow, der dort für eine Regierungsbeteiligung auf sämtliche Bedingungen verzichtet hatte und prompt von Herrn Matschie vor die Tür gesetzt wurde, verlangt nun in der "Welt am Sonntag" unverhüllt – und im Widerspruch zu Lafontaine - den Bruch von zentralen Wahlversprechen der LINKEn, um für die SPD so schnell wie möglich koalitionsfähig zu werden: "Uns geht es (in Afghanistan) nicht um einen sofortigen Abzug. Das wäre wie eine Flucht damals aus Vietnam."

Dieser regierungs- und parlamentsfixierte Flügel der Linkspartei droht mit seiner bedingungslosen Orientierung auf rotrotgrüne Regierungskoalitionen die LINKE in den Untergang der SPD hineinzuziehen, anstatt als antikapitalistische Oppositionspartei das Erbe dieser früheren, sozialistischen Arbeiterpartei anzutreten. Gegen die Krise und die Grausamkeiten, welche die neue, schwarzgelbe Bundesregierung mit Unterstützung rotgrüner Landesregierungen der Mehrheit der Bevölkerung zumuten will, kann die LINKE auch in Bremen nicht auf Koalitionen mit den Hartz- und Kriegsparteien setzen, sondern nur auf Aktions- und Widerstandsbündnisse der Betroffenen und ihrer Organisationen.

Wenn die Landtagsfraktion der Bremer LINKEN ihre Zustimmung zum Haushaltsentwurf des Senats wirklich bedauert und daraus politische Konsequenzen ziehen will, dann steht jetzt die Vorbereitung einer gemeinsamen Kundgebung gegen unsozialen Haushalt und gegen den Arbeitsplatzabbau in Bremen auf der Tagesordnung. Das Aktionsbündnis „Wir zahlen nicht für eure Krise“, das die Demonstrationen am 28.3. und den Aktionstag am 17.9. vorbereitet hat, ist dafür ein wichtiger Ausgangspunkt, der vor allem in den Gewerkschaften bekannt gemacht werden sollte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: So 4. Okt 2009, 03:05 
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Heino, ich stimme dir zu ..aber darüber..

Zitat:
Und die Verantwortlichen für die Krise durch Enteignungen zur Rechenschaft zu ziehen.


..komme ich nicht weg. Wen möchtest du zur Rechenschaft ziehen und welche Verantwortlichen mit Namen meinst du? Diese Leute sind global verstreut und vernetzt und benutzen das "Herkunftslandprinzip" für ihre staatlich legitimierten Wirtschaftsverbrechen/Menschenrechtsverletzungen gegen Arbeitnehmer und Arbeitslose.

Eine Enteignung sollte immer als das allerletzte Mittel, ..wirklich als das allerletzte Mittel zur Durchsetzung der Volksinteressen/Gemeininteressen und Gemeinwohls eingesetzt werden. Das Mittel "Enteignung" darf nicht inflationär wie Antibiotika gegen Alles und Jeden eingesetzt werden [Anti-Bio=Anti-Human=Anti-Natur/Naturell], sondern es sollte nach geeigneten superscharfen Maßnahmen Ausschau gehalten werden, die so etwas wie diese künstlich herbeigeführte Krise im Ansatz unterbinden können!

Der Artikel ist gut..bis zu meinen genannten Punkten.

Vielleicht..aber eventuell nur vielleicht werden mit der/dem ROT/ROT-Hype/Medienrummel sogenannte "Durchläufe" oder besser ausgedrückt "Testläufe" veranstaltet, um die parteiinternen Strukturen vom Bundesverband bis zum kleinsten Verband, der ausschließlich von Menschen besetzt und geführt wird, auf Schwachstellen abzuklopfen, also quasi einer Prüfung zu unterziehen, die dem Ziel dient- scharfe Kritiker und Oppositionelle in der eigenen Partei via Foren und Internetmedien im Zuge der Annäherung und beginnenden Verschmelzungprozessen mit der SPD ausfindig zu machen und nach Möglichkeit parteiintern zu isolieren oder zu entfernen. Konkret wäre dies eine parteipolitische Operationsfeldbereinigung/Vorfeldbereinigung, zumindestes käme sie dem sehr nahe.. IRONIE!!

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"Eine Gesellschaft von Schafen muss mit der Zeit eine Regierung von Wölfen hervorbringen" [Bertrand de Jouvenel]
"Ich mag verdammen was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst" [Voltaire]


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Di 6. Okt 2009, 21:06 
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Der Artikel "Die Bremer LINKE nach den Bundestagswahlen" ist jetzt unter http://www.dielinke-bremen.de/politik/d ... agswahlen/ auch auf der Website zu finden. Das gilt auch für eine interessante Erklärung der AKL NRW zum Ausgang der Bundestagswahlen.

Offen bleibt allerdings, wo und wie der Landesvorstand der Bremer LINKEn die inhaltliche Debatte darüber in der Vorbereitung des Landesparteitags zu organisieren gedenkt. Ich hatte Mitglieder des Landesvorstands um eine Weiterleitung dieses Artikels an die Mitglieder gebeten, ohne darauf eine Antwort zu erhalten. Offensichtlich ist es in den aktuellen Kommunikationsstrukturen des Landesverbandes leichter, Diskussionsbeiträge der Öffentlichkeit bekannt zu machen, als damit die Mitgliederbasis zu erreichen. Diese wird von den Kontroversen in der Partei - z.B. über den Versuch von Bodo Ramelow, die Wahlversprechungen der LINKEN für einen "sofortigen Abzug aus Afghanistan" den Bemühungen um eine Regierungskoalition zu opfern - systematisch abgeschottet, um sie einzuschläfern und gar nicht erst auf die Idee kommen zu lassen, sich selbst an der innerparteilichen Meinungsbildung zu beteiligen.

So werden die Parteimitglieder zwar über eine Klausurtagung (sic!) der Bürgerschaftsfraktion und ihrer MitarbeiterInnen über die Haushaltsberatungen und die "strategische Ausrichtung bis zum Ende der Legislaturperiode" in Kenntnis gesetzt, nicht aber darüber, ob und wie die Mitglieder bei dieser "strategischen Ausrichtung" ihrer Parlamentsvertreter ein Wörtchen mitreden können. Spätestens, nachdem die Fraktion öffentlich eingestanden hat, gelegentlich von Anfällen geistiger Umnachtung heimgesucht zu werden und dem Senatshaushalt "aus Versehen" zugestimmt zu haben, müßte eine organisierte Diskussion zwischen den Parlamentsvertretern und den Parteimitgliedern eigentlich auf der Tagesordnung stehen.

Leider hat es der Landesvorstand - laut Protokoll desselben - bisher versäumt, die Fraktion über einen Landesvorstandsbeschluss (datiert vom 10.5.09) zur rechtzeitigen Abstimmung zwischen Abgeordneten und Parteigremien auch nur zu unterrichten. Von einem inhaltlichen Meinungsaustausch darüber ganz zu schweigen.

Das zu diesem Thema für den 15.10. geplante LINKENPLENUM bietet dazu eigentlich eine Gelegenheit, wird aber nur dann zur Klärung beitragen können, wenn es durch schriftliche, vorher an alle Mitglieder verschickte Stellungnahmen sowohl aus der Partei, wie aus der Fraktion vorbereitet wird. In den ersten LINKENPLENEN nach dem Erfolg bei den Bürgerschaftswahlen hatten solche Texte und Beschlussvorlagen zu reger Teilnahme und einigermaßen verbindlichen Ergebnissen beigetragen. Daran sollte auch jetzt angeknüpft werden. Andernfalls dürfte damit das LINKENPLENUM am 15.10. endgültig beerdigt werden.

Der o.g. Text zu den Lehren aus den Bundestagswahlen könnte dafür ein Beitrag sein, Antworten aus der Fraktion bzw. aus dem Landesvorstand sollten ihn ergänzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ergebnisse der Bundestagswahl 2009
BeitragVerfasst: Do 8. Okt 2009, 10:27 
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AKL NRW hat geschrieben:
„Erklärung der Antikapitalistischen Linken in NRW zur Lage nach den Wahlen“
05.10.2009

Ulla Jelpke, MdB / Inge Höger, MdB / Thies Gleis, Mitglied des Parteivorstandes DIE LINKE / Jürgen Aust, AKL-Sprecher NRW

Den wahlpolitischen Erfolg in reale Kraft verwandeln

1.
Das „Superwahljahr“ in Zeiten der „Superkrise“ geht zu Ende. Zeit also für eine nüchterne und gelassene Bewertung der Ergebnisse, denn so spektakulär war das alles nicht – eher eine Fortschreibung dessen, was kluge linke BeobachterInnen seit langem analysieren. Die parlamentarische und ideologische Hegemonie der Parteien des Kapitals ist ungebrochen und ungefährdet. Fünf von zweiundsechzig Millionen der WählerInnen haben sich für die LINKE und damit für eine bei Wählenden und Gewählten mal mehr, mal weniger bewusst wahrgenommene Alternative zum Kapitalismus entschieden. Wir freuen uns über dieses Ergebnis sehr, weil wir, das sei schon mal vorweggenommen, die Einschätzung vieler „Wahlforscher“ teilen, bei denen nicht so sehr persönliches oder auftragsmäßig vorgegebenes Wunschdenken die Analyse bestimmen, dass die LINKE ein erstaunlich festes Wählerpotenzial hat und kaum aus Protest gewählt wird. Die LINKE wird im erfreulich hohen Maß als Linke gewählt – im Westen noch oft nur als Hoffnungsträgerin, im Osten bereits als echte Stütze im Alltag. Wir freuen uns in diesem Zusammenhang besonders über 16 Direktmandate, was einzig wirklich das Etikett „spektakulär“ verdient. Also Glückwunsch und Dank an alle, die das möglich gemacht haben.
Aber diese Ergebnisse sind in parlamentarischen Prozenten knapp zwölf, in der aussagekräftigeren Verhältniszahl Gesamtwahlberechtigte zu Stimmenzahl noch neun Prozent. Fünf Millionen politische UnterstützerInnen und Zustimmung bei einem Zehntel der aktiven Bevölkerung – das sind für eine Partei, die Grundlegendes an dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ändern will, hervorragende Werte, aber natürlich noch meilenweit davon entfernt, eine reale Machtperspektive zu entwickeln. Die LINKE ist den letzten vier Jahren deutlich stärker geworden – bisher mit wenigen Ausnahmen ohne existenzielle politische Zugeständnisse und programmatische Aufweichungen (obwohl viele von Außen und wichtige Leute auch von Innen das von der Partei verlangt haben und immer noch verlangen). Aber die Aufgabe Nummer Eins bleibt: Mehr werden, sich besser organisieren, das Verhältnis „WählerInnenschaft zu Mitgliedschaft“ deutlich verbessern.

2.
Das war im Gegensatz zum Wunsch Vieler keine „Lagerwahl“. Die atmosphärische Diagnose, es sei Wahlkampf der puren Langeweile, trifft zu und findet in der Rekordhöhe der Nichtteilnahme ihren Ausdruck. 18 Millionen WählerInnen, gut vier Millionen mehr als beim letzten Mal, sind zuhause geblieben. Ein Blick auf die Karte der Wahlkreisverteilung der NichtwählerInnen zeigt eine frappierende Ähnlichkeit mit dem in den letzten Monaten veröffentlichen Armutsatlas. Und er zeigt im Vorfeld der Zwanzigjahrfeiern der deutschen Einheit die Fortexistenz der deutschen Teilung. Es gibt, so die zynische Bilanz der Forschungsgruppe Wahlen, ganze „partizipationsfreie Zonen“ in den Regionen, wo sich die Folgen der kapitalistischen Krise konzentrieren. Der Anteil junger Menschen bei den NichtwählerInnen ist hoch. Niemand sollte diese politische Wahlverweigerung als bewussten Bruch mit den herrschenden Verhältnissen und per se fortschrittliches Verhalten erklären. Aber Fakt ist, dass keine Partei bei diesen Stimmlosen mehr Vertrauen erntet und dass es die LINKE ist, die als neue Partei, als Partei der sozialen Gerechtigkeit und der politischen Alternative in diesem Milieu als erstes wieder Einfluss gewinnen könnte und vor allem müsste. Aber auch der LINKEN gelingt dies nicht. So bleibt als Resultat eine weitere Zunahme der Legitimationsdefizite der etablierten Parteien, des parlamentarischen Systems und auch der „Partei“ als Form politischer Betätigung. Die Losungen der LINKEN, sie wolle eine „andere Partei als die anderen sein“, sie wolle die Aushebelung der Macht des Parlaments durch die Exekutive umkehren und sie wolle die Einbeziehung von Millionen individualisierter wenn nicht atomisierter Menschen in direkte kollektive politische Aktivitäten vorantreiben – all das muss noch erheblich konkretisiert und praktisch umgesetzt werden.

3.
Statt polarisierender Lagerwahl gibt es Verluste der CDU/CSU an die FDP und der SPD an die LINKE und beider vor allem an die NichtwählerInnen. Die Grünen schmarotzen ein wenig von allen. Der Wahlkampf um die angeblich entscheidende „Mitte“ hat nur zu einer Verringerung und Umschichtung der Stimmen geführt.
Die neue Regierungsmehrheit aus Union und FDP wird ein Minderheitsregime sein, das Verhältnissen in Staaten gleicht, in denen das schon lange für die Herrschaft des Kapitals prägend ist. Im Verhältnis zur GesamtwählerInnenzahl haben gerade mal 35 Prozent die Parteien dieser kommenden Regierung gewählt. Die FDP hat erfolgreich die positiven Hoffnungen an den Fortbestand der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und auch die Ängste des Kleinbürgertums abzustürzen für sich mobilisieren können. Ihre zynische Haltung, die Besserverdienenden und Gewinner des realen Kapitalismus zu bedienen, wird in den angelsächsischen Ländern schon lange mit T-Shirttexten wie „Eure Armut kotzt uns an“ dokumentiert. Und das fast „präfaschistische“ Motto „Arbeit muss sich wieder lohnen“, das ihre Plakate dominierte, hat in seiner Doppeldeutigkeit sowohl das die Arbeit(skraft) ausbeutende Kapital ermutigt als auch den sozialdarwinistischen und egoistischen Instinkt der Arbeit(skraft)-VerkäuferInnen aufgestachelt, kollektive soziale Sicherungen seien schlecht, Hauptsache „das persönliche Netto“ stimme. Die FDP gewinnt damit auch bei jungen Menschen, denen der Kapitalismus jede Perspektive verweigert, aber dessen Geldfetisch sie dennoch anbeten. Der Erfolg der FDP ist allerdings ein schlichter ideologischer Stimmenraubzug auf Kosten der CDU. Strukturelle Interessenskonflikte unterschiedlicher Fraktionen der herrschenden Klasse, die sich in unterschiedlichen Parteien ausdrücken, sind gegenüber früheren Jahren eher zurückgegangen. Die FDP wird daher mit dem Bewusstsein in die Regierung gehen, dass sie vielleicht nur vier Jahre Zeit hat, sich inhaltlich und materiell in Szene zu setzen – bei der nächsten Wahl kann es mit dem Wahlerfolg schon wieder vorbei sein.
Eine ungeduldige FDP zusammen mit einer geschwächten und entsprechend zerstrittenen CDU/CSU lassen eher ein schwierigeres Regierungsgeschäft erwarten, als einen rasanten Durchmarsch, aber gleichzeitig auch eine stete öffentliche Präsentation des Widerspruchs zwischen Wollen und Können der Regierenden. Das wird durch eine dreigeteilte Opposition, die einen internen Überbietungswettkampf bestreitet, in vielfältiger Hinsicht noch zu erschweren sein.
Hier ergibt sich für LINKE und die außer- und innerparlamentarische Opposition eine erfüllbare erste Aufgabe: Der neuen Regierung kann und muss in wenigstens einem großen politischen Thema und noch im ersten Regierungsjahr eine politische Niederlage beigebracht werden. Mindestlohn, Rente ab 67, weg mit Hartz IV und Rückzug der deutschen Truppen aus Afghanistan, aber auch der von den Kraftwerks- und Stromkonzernen gewünschte Wiedereinstieg in die Atomtechnologie können dabei die entscheidenden Themen sein.
Das Hauptgeschäft der neuen Regierung ist durch äußere Zwänge bereits festgelegt: die Eindämmung und Rückführung der öffentlichen Verschuldung. Das wird – weit wichtiger als irgendwelche Symbolschlachten um Kündigungsschutz und Steuersenkungen – die zentrale Zielsetzung von Merkel und Westerwelle ausmachen. Doch das wird nicht allein durch Ausgabensenkungen, sondern auch mit Einnahmesteigerungen umgesetzt werden können. Mehrwertsteuererhöhung, Erhöhung anderer indirekter Steuern, Beitragssteigerung für Arbeitslosen- und Pflegeversicherung oder eine „Reform“ des Gesundheitsfonds, bei der die Masse der Menschen deutlich mehr Geld einbringen muss – all das wird Raubbau am glorreichen Credo der FDP betreiben.

4.
Die SPD hat erwartungsgemäß das Wahljahr mit einer tief greifenden Niederlage abgeschlossen. Sechs Millionen Wählerstimmen weniger, eine Halbierung der Wähler- und Mitgliederbasis innerhalb eines Jahrzehnts sprechen für sich. Das Bedürfnis, die maßgeblichen Verantwortlichen für die Politik der Umverteilung von unten nach oben, für die Zerstörung des Rentensystems, für Studiengebühren, Privatisierung öffentlicher Besitztümer und Krieg abzustrafen war zu Recht durch nichts zu übertünchen. Im Gegenteil die kosmetischen Korrekturen in Programm und Auftreten der SPD-Führungsriege hat die Unglaubwürdigkeit nur noch drastisch illustriert, dass fast gespottet werden kann, die SPD wollte nicht gewinnen. Wir erleben zeitgleich ähnliche Entwicklungen bei fast allen Großparteien der europäischen Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie hat die Drecksarbeit verrichtet, die Regierungspolitik in der EU an die militanten Forderungen der herrschenden Klassen nach Umverteilung, aggressivem Auftreten im weltweiten Konkurrenzkampf und Klassenkampf von oben anzupassen, hat die von ihr stark beeinflussten Gewerkschaften desorientiert und geschwächt und nun – mission completed – erhält sie den verdienten Tritt von oben und unten, wie schon mehrfach in ihrer Parteigeschichte.
Die sich selbst so nennende „Linke“ in der SPD ist schon lange weggetreten. Zu keinem einzigen Thema hat sie auch nur versucht, eine parteiinterne oder gar öffentliche Kampagne gegen die Regierungspolitik und die Fortsetzung der Agenda-2010-Politik zu eröffnen. Hat zunächst die Basta-Politik und brachiale Parteiformierung zur Ja-Sager-Kulisse der Schröderianer diese „Linke“ ausgeblutet und versenkt, so wurde seit Existenz der LINKEN auch jeder Versuch einer Neusammlung und der Aufbau von glaubwürdigen personellen Alternativen zur Steinmeier-Steinbrück-Müntefering-Clique im Keim erstickt. Ja, die LINKE hat einen großen Anteil an dieser konkreten Form des Niedergangs der SPD. Erstaunt das irgend jemanden? War das nicht der Sinn der Neugründung einer linken Partei?
Die Ereignisse in Hessen zum Jahresanfang und die Entscheidung der SPD in Thüringen, sich in eine Koalition mit der CDU zu begeben, sind der augenfälligste Beweis dafür, dass es auch auf Länderebene keine andere SPD und keine anderen Sozialdemokraten gibt als auf Bundesebene. Wie viele Landesparteitage sind seit 2003 ins Land gegangen, auf denen eine Landes-SPD sich von den Schröderianern hätte abgrenzen können? Wie viele Wahlprogramme wurden geschrieben, in denen andere Töne hätten angeschlagen werden können? Es gibt deshalb nur bescheidene punktuelle Gemeinsamkeiten zwischen SPD und LINKE – in Fragen der Bildungspolitik, der Energiepolitik solange nicht gerade örtliche Kohlegiganten das Sagen haben und weniges mehr. Diese punktuellen Gemeinsamkeiten stehen einerseits im Kontrast zu gewaltigen Meinungsverschiedenheiten und andererseits schmelzen sie schnell dahin, wenn sie nicht nur als Einzelpunkte, sondern als Teil einer echten politischen Strategie und Richtungsänderung betrachtet werden. Den Rest wird die „Schuldenbremse“ erledigen...
Die SPD ist nach diesem Wahljahr nicht am Ende, aber sie lebt nur noch von ihrer in Jahrzehnten aufgebauten Substanz an parlamentarischem Einfluss, an ihrer Verquickung mit öffentlichen und staatlichen Strukturen und an ihrem strukturellen Einfluss in der Großorganisation DGB und den Einzelgewerkschaften. Andere sozialdemokratische Parteien haben schon gezeigt, dass eine solche Substanz endlich ist und nicht linear, sondern auch mal sprunghaft verschlissen wird. Fakt ist allerdings, dass in jedem Moment dieses Prozesses der weiteren Entwicklung der SPD eine scharfe Konkurrenzsituation zur LINKEN besteht, die sich fast auf den banalen Gegensatz „Die oder wir“ reduziert. So wird die SPD fortan zwar ein wenig mehr mit dem Mantel der Opposition wedeln und links blinken – aber für viel mehr als eine kurze und inhaltlich äußerst karge Berauschung wird es nicht reichen.
Wer heute von der Notwendigkeit oder Möglichkeit einer „Resozialdemokratisierung“ der SPD spricht, verkennt komplett die Ausgangsbedingungen innerhalb der Sozialdemokratie und redet bei genauerer Betrachtung einer Schwächung der LINKEN das Wort. Die LINKE ist heute einerseits die Resozialdemokratisierung der SPD – das heißt, jeder und jede, die sich noch als „links“ betrachtet, sollte unverzüglich die SPD verlassen und zu uns kommen. Andererseits ist die LINKE Ausdruck des objektiven, historischen Scheiterns des politischen Ansatzes der SPD in der neoliberalen Ära des Kapitalismus, in der nichts mehr ohne Kampf neu verteilt wird und Konflikt bereite Politik angesagt ist. Sie ist also „Resozialdemokratisierung plus etwas mehr“. Nur um dieses „Mehr“ lohnt eine konstruktive Debatte und findet ja faktisch zwischen den verschiedenen Strömungen der LINKEN auch statt. Geht’s nach der AKL muss dieses „Mehr“ einen klaren Bruch mit der kapitalistischen Logik und eine Kampfstrategie gegen die politischen Agenturen des Kapitals bedeuten.

5.
Die LINKE hat das gesamte „Superwahljahr“ als Siegerin absolviert. Nicht immer – wie bei der Europawahl – im Rahmen der eigenen Erwartungen, aber immer im Verhältnis zu den anderen politischen Kräften und in der öffentlichen Wahrnehmung. Der Mitgliederzustrom hält an und die LINKE ist in wesentlichen Fragen des öffentlichen Diskurses Stichwortgeberin, wenn nicht gar Meinungsführerin. Eine Erfolgsgeschichte also.
Die Wahlkämpfe der LINKEN und ihre öffentliches Auftreten waren darauf ausgelegt, einen Wettstreit mit anderen parlamentarischen Kräften, allen voran die SPD, zu bestreiten. Wir haben das immer als nicht ausreichend kritisiert. Aber der Wettstreit wurde immerhin einigermaßen bestritten und gewonnen. Wir haben manchmal Zweifel geäußert, dass selbst dies gefährdet ist. Darin haben wir uns erfreulicherweise geirrt. Die LINKE attackiert die parlamentarischen Bastionen der SPD – wir haben nichts dagegen und freuen uns über 76 Abgeordnete, über neue Landtagsfraktionen und alles, was dazukommt.
Aber die Mobilisierung neuer WählerInnen über das Milieu des "aufgeklärten Wählers" hinaus, ist der LINKEN mit Ausnahme einzelner Wahlbezirke und Stadtteile nicht gelungen. Eine Verzahnung des Wahlkampfes mit der sozialen, kleinräumigen und lebensnahen Verankerung in den Stadtteilen und Betrieben, die Organisierung und Aktivierung der gesamten Anhängerschaft, die Auslösung und Unterstützung realer Interessenskämpfe fanden nicht statt. Die politische Mobilisierung bei Jung- und ErstwählerInnen, bei Frauen und MIgrantInnen erreichte nicht die selbst gesteckten Ziele.
Die LINKE steht deshalb vor wichtigen Herausforderungen.
Auf parlamentarischer Ebene wird sich bereits in den ersten Monaten eine kleine Machtprobe entscheiden: Wer ist in der internen und noch mehr öffentlichen Wahrnehmung die „führende Oppositionskraft“? Die LINKE muss diese Machtprobe gewinnen. Wir sind davon überzeugt, dass dies nicht mit Warten auf eine „Resozialdemokratisierung“ funktionieren wird. Es wird vielmehr um eine scharfe Differenzierung und strategische Zuspitzung der Oppositions-Positionen gehen, bei der die LINKE ihr Profil schärfen und zeigen muss. Eine „Koalition in der Opposition“ wird es nicht geben.
Nicht im Widerspruch dazu, sondern notwendige Ergänzung sind konkrete Einheitsinitiativen der LINKEN an SPD und Grüne, um die Regierung unter Druck zu setzen. Mindestlohn, Rente ab 67, Vermögenssteuer, Afghanistanrückzug, Atomausstieg, Weg mit Hartz IV und vieles mehr sind dafür die Stichworte.
Die nächste Zeit, vor allem die Monate bis zur NRW-Wahl, wird für die LINKE von der leidigen „Regierungsfrage“ bestimmt werden. Wir erwarten eine politische Positionierung, die eindeutig formuliert: Die LINKE kann und will regieren. Solange sie allerdings nur eine Minderheitspartei ist, wird dies nicht gehen. Die Gemeinsamkeiten mit SPD und Grünen reichen für eine Regierungsallianz nicht aus, dies werden uns wahrscheinlich SPD und Grüne auch ihrerseits und mit ihrer Tollpatschigkeit mitteilen. Einen Blankoscheck bei der Wahl eines sozialdemokratischen Ministerpräsidenten wird es von der LINKEN nicht geben. Ein Wandel wird an uns aber nicht scheitern, denn wir sind bereit, eine SPD-Grüne Regierungen gegen Schwarz-Gelb zu tolerieren – aber es muss eine Tolerierung der Vernunft und nicht des Zwanges sein. Deshalb wird es keine Tolerierungsverhandlungen oder –abkommen geben. Wir werden die richtigen Regierungsmaßnahmen stützen, andere ablehnen. Das wird in Richtung Minderheitsregierungen laufen, vielleicht auch in Richtung schwacher Regierungen – aber das ist gut und der notwendige Prozess zur Herausbildung wirklich neuer gesellschaftlicher Mehrheiten.
Die LINKE verlangt von SPD und Grünen statt abstrakter Koalitionsdiskurse die sofortige gemeinsame Anstrengung in außerparlamentarischen Mobilisierungen für den Mindestlohn, gegen die Leiharbeit und Hartz IV, für die Gemeinschaftsschule und weiteres.

6.
Für die LINKE selbst werden die nächsten Monate wichtige Weichenstellungen erfordern. Das Gewicht der Parlamentsfraktionen und ihrer Apparate hat sprunghaft zugenommen. Neue Mitglieder mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Erwartungen stoßen zu uns. Seit Gründung der LINKEN fordert die AKL eine massive Stärkung der Parteistrukturen gegenüber den Fraktionen. Die materielle Ausstattung muss verbessert werden, eine kleinräumige Organisierung und der Aufbau von Betriebsgruppen und anderen Aktivenstrukturen muss angegangen werden. Bei Wahlen müssen die breite Streuung der Ämter und die Einhaltung der Regeln zur Trennung von Amt und Mandat und Geschlechterquotierung beachtet werden.
Wir können zum Abschluss des „Superwahljahrs“ feststellen, dass das Konzept einer pluralen linken Partei, mit unterschiedlichen Strömungen und Positionen nicht das Ergebnis, sondern die Voraussetzung der Erfolgsgeschichte DIE LINKE gewesen ist und weiterhin bleibt. Dieses Konzept ist aber kein Selbstläufer. Es muss gepflegt und vor den regelmäßigen Angriffen von außen und innen geschützt werden. Dann wird links weiterhin wirken.


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