Auf dem Sonder-Landesparteitag der Bremer LINKE am 20. Juni 2010 wurde auf den letzten Drücker ein in Berlin ausgekungeltes Papier vorgelegt, das eigentlich diesen Parteitag überflüssig machen sollte:
Zitat:
Gemeinsame Erklärung
In Partei und Fraktion sind in letzter Zeit eine Reihe von Problemen, gegenseitigen Vorwürfen und Konflikten eskaliert, die neben anderen Gründen zur Einberufung des außerordentlichen Landesparteitages geführt haben. Die Unterzeichnerinnen haben sich am Freitag, 18.06.10, mit Gregor Gysi und Werner Dreibus mit dem Ergebnis zusammengesetzt, dem Parteitag folgende Vorschläge zu unterbreiten:
Wir schlagen den Bremer Mitgliedern der Partei für die Aufstellungsversammlung zur Bürgerschaftswahl 2011 folgendes Verfahren vor:
1 Ein Vorschlag über die weibliche und die männliche Spitzenkandidatur zur Bürgerschaftswahl 2011 wird mit einer Mitgliederbefragung / Urabstimmung bestimmt.
2 Die und der dabei jeweils Zweitplazierte wird von uns für den nächsten weiblichen/männlichen Listenplatz vorgeschlagen.
3 Dieser Mitgliederentscheid findet in der ersten Dezemberwoche 2010 statt. Sein Ergebnis wird öffentlich ausgezählt und als gemeinsamer Vorschlag der Aufstellungsversammlung vorgelegt.
4 Die weiteren Mitglieder der derzeitigen Fraktion, die erklärt haben, dass sie für die Bürgerschaftswahl 2011 kandidieren wollen, werden ebenfalls gemeinsam vorgeschlagen.
5 Vorschläge für weitere Listenplätze werden wir gemeinsam erarbeiten. Dafür werden wir alle Kandidaturen, die bis zum 01.10.2010 bei der Landesgeschäftsstelle eingegangen sind, berücksichtigen.
6 Unser Ziel besteht in der Aufstellung eines ausgewogenen. Vorschlages unserer Gruppe. Dieser Vorschlag soll max. 14 Plätze umfassen und wird Ende Oktober 2010 vorgelegt.
Diese Vereinbarung wird dem Parteitag am 20.06.2010 zur Information vorgelegt. Unser gemeinsames Ziel ist es, damit eine wichtige Grundlage für einen konstruktiven Parteitag zu schaffen. Deshalb verständigen wir uns, dem Parteitag vorzuschlagen, den vorliegenden Antrag 8 anzunehmen, bei gleichzeitiger Überweisung aller anderen an den Parteitag gestellten Anträge an die im Antrag 8 bezeichnete Arbeitsgruppe. Weiterhin schlagen wir gemeinsam dem Parteitag vor, nach Annahme des Antrages 8 den Parteitag zu beenden und unmittelbar anschließend eine Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung durchzuführen:
1 Eröffnung und Begrüßung
Wahl einer Versammlungsleitung
Vorschlag:
1 Die aktuellen Herausforderungen an DIE LINKE im Land Bremen zwischen Finanz- und Wirtschaftskrise, Sozialabbau und der Bürgerschaftswahl 2011
Einleitungsstatements von jeweils 10 Minuten
1 Aussprache
2 Ende
Berlin, den 18.06.2010
Agnes Alpers, Cornelia Barth, Peter Erlanson, Andreas Hein, Jörn Hermening, Birgit Menz, Inga Nitz, Klaus-Rainer Rupp, Leo Schmitt, Christoph Spehr, Monique Troedel
Die Reaktionen der Delegierten waren unterschiedlich - ein gewisser Konsens war erkennbar, dass das Austragen des Kampfes um die besten Listenplätze bei den kommenden Bürgerschaftswahlen auf dem Rücken der Beschäftigten der Fraktion so abgedreht war, dass niemand von einer Klärung auf einem Parteitag ausgehen konnte.
Dass aber die Verursacher dieser Situation teils mit kämpferischen (Peter) und teils mit beschwichtigenden Worten (Agnes) plausibel machen wollten, man müsse nach vorne blicken, die Problemlösung in Arbeitsgruppen verlagern und die KandidatInnenkür erstmal ihnen überlassen, stieß auf geteiltes Echo. Es war die Rede davon, hier würden die Brandstifter selbst zum Löschen geschickt.
In Redebeiträgen wurde auf mangelnden Anstand in der Fraktion hingewiesen und auch darauf, dass der so bewirkte Vertrauensverlust bei den Wählern ein Engagement der Mitglieder im Wahlkampf ins Leere laufen lassen könnte. Ein schlichtes "weiter so" wäre ebenfalls als eine Gefährdung des Wahlkampfes anzusehen.
Die Satzungskonformität der Gemeinsamen Erklärung wurde ebenfalls infrage gestellt, hier sei zusätzlich darauf hingewiesen, dass der Gesetzgeber sich im Parteiengesetz erhebliche Mühe gegeben hat, Parteimitglieder vor Kungelzirkeln zu schützen.
Mir fällt es schwer zu verstehen, warum eine linke Partei eine Arbeitsgruppe braucht, um ein Verhältnis zu den Rechten der eigenen Arbeitnehmer zu bekommen. Jede/r GewerkschafterIn oder BetriebsrätIn, die/der diese Bezeichnung verdient, kann diese Antworten aus dem Ärmel schütteln. Ist "Glaubwürdigkeit" ein Unwort bei DIE LINKE?